Aus der Geschichte - 1836 bis 1939

 

1836 bis 1939

Das Gründungsjahr 1836 war lange Zeit streitig. 1974 berichtete der damalige Stadtarchivar Josef Lange von einem Fund im "Neusser Kreis-, Handels- und Intelligenzblatt" des Jahres 1837, den er „um so bemerkenswerter“ fand, weil „das Lokalblatt selbst über das Neusser Schützenfest meist nur in Kürze zu schreiben pflegte oder sogar“ wie eben in diesem Jahr „überhaupt nicht berichtet hat“.

 

Ausschnitt aus dem "Neusser Kreis-, Handels-

und Intelligenzblatt" vom 12. August 1837

 

Ausschnitt aus dem "Neusser Kreis-, Handels-

und Intelligenzblatt" vom 5. August 1837

 

Lange bewertete die damaligen Berichte über die ersten Schützenfeste 1837 und 1838 als „bisher unbeachtet“. Das ist so nicht ganz richtig, denn bereits die Berichterstattung der Neuss-Grevenbroicher-Zeitung zum 1935 begangenen 100-jährigen Jubiläum des Bürger-Schützenvereins nimmt auf den Zeitungsbericht nicht nur Bezug, sondern gibt ihn wortgemäß wieder.

Der Bericht 1935 (siehe Bild) führt aus, dass ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1838 in der Gaststätte Brüggen zwischen zwei Glasscheiben Aufbewahrung fand. Der Ausschnitt diente in der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg dazu, den Nachweis des „Althergebrachten“ zu erbringen, um die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Vereinsaktivitäten von den damaligen belgischen Besatzern erhalten zu können. Das Archiv des Bürger-Schützenvereins verfügt über Kopien der Berichte.

In Kopie erhalten ist ebenso die Abrechnung des ersten Schützenfestes.

 

Bild von 1901, Grenadierzug "Schorn-Club"

 

 

Die  handschriftlichen Statuten des Jahres 1876 (siehe Bild), welche laut Einführungstext auf einer nicht mehr erhaltenen Fassung von 1861 aufbauen, sind ansonsten die einzigen, aus dem 19. Jahrhundert erhalten gebliebenen schriftlichen Aufzeichnungen.

Als Zweck des Vereins benennt die Satzung „Übung und Ausbildung im Schießen, gemeinsame active Hülfeleistung für vorkommende Gefahren, sowie geselliges Aneinanderschließen der Mitglieder“, also durchaus Zwecke, die die geistige Verbundenheit zur alten Marienbruderschaft erkennen lassen.

 

 

Zwei unbekannte Jäger, Aufnahme von 1912

 

Anhalt, nicht Aufschluss über die Kontinuität des Vereinslebens können uns die Aufzeichnungen über die Schützenkönige bzw. deren erhalten gebliebene Königsorden verschaffen. Das älteste Stück trägt die Widmung "Der Anfang" (Abbildung links); aufgrund der identischen Gravur mit dem Königsorden von Franz Kamper von 1836 können wir annehmen, dass Kamper damals mit dem Silberorden "Der Anfang" den Grundstein für das Königssilber legte. Franz Gerhard Kamper, geboren 1788, war der Besitzer des Klosters Eppinghoven und der erste König in der Geschichte des Vereins.

 

Der Grundstein des Königssilbers (ganz links) und die drei ältesten Königsorden;

v.r.n.l.: Franz Kamper, W. Zehnpfennig und Paul Wierich (Ausschnitte)

 

Die Könige der Gründerjahre sind bis 1839 bekannt, danach bis 1861 aber nicht mehr. Ob der Einstieg nach der Gründung nur eine kurze Episode war und das Vereinsleben nach 1839 wieder ruhte, ob die Aufzeichnungen der Könige nicht fortgeführt wurden oder die Orden verloren gegangen sind, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Die belegte Tatsache, dass 1861 neue Statuten erstellt worden sind, lässt ahnen, dass das Vereinsleben erst dann wieder auflebte, und erst seit 1862 ergibt die Königsliste sodann eine gewisse Kontinuität.

 

1928 erneuerte der Verein seine Statuten; immer noch standen „Uebung und Ausbildung im Schiessen“, aber auch „gemeinsame und rasche Hilfeleistung bei vorkommenden Gefahren“ im Vordergrund, „die Pflege deutschen Volksbewusstseins und vaterländischer Gesinnung“ trat als Vereinszweck hinzu. Sonstige Aufzeichnungen aus vg. Zeit existieren nicht bzw. sind nicht bekannt.

 

Im Jahre 1900 trat die Gesellschaft Schützenlust erstmals als neue Formation des Regiments auf. 1907 gründete sich das Sappeurcorps, 1922 riefen die Landwirte des Ortes den Reiterverein ins Leben. Ein Jahr später, 1923, war die Gründung des Tambourcorps "Concordia".

 
 
Gründungsfoto der Schützenlust   Sappeure im Jahre 1913
 
Der Reiterverein in den Gründerjahren   Eine der ersten Aufnahme des Tambourcorps

 

 

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